Kurze Montagezeiten, minimale Unterbrechungen und eine zukunftssichere Basis trotz steigender Wartungsrisiken
Weltweit sind nach aktuellen Marktdaten noch rund 18 Prozent der bestehenden Gewerbeflächen auf Leuchtstoffsysteme angewiesen.1 Mit dem schrittweisen Marktverbot konventioneller Leuchtmittel auf Grundlage der überarbeiteten RoHS-Richtlinie2 sowie der EU-Verordnung 2024/18493 verengt sich dieses Zeitfenster jedoch zusehends: Bereits seit August 2023 dürfen lineare T8- und T5-Leuchtstoffröhren nicht mehr in Verkehr gebracht werden,4 bis Ende 2026 folgen Halogenphosphat- und Kompaktleuchtstofflampen sowie bestimmte Natriumdampf-Hochdrucklampen, Ende 2027 schließlich auch Dreibanden-Leuchtstofflampen.5 Für viele Industrie- und Logistikbetriebe bedeutet das: Der Austausch ist keine Frage des Ob mehr, sondern des Wann.
Werksferien, geplante Wartungsfenster oder eine temporär reduzierte Auslastung machen den Sommer für viele Industrie- und Logistikbetriebe zu einem der wenigen Zeiträume im Jahr, in denen sich Modernisierungsmaßnahmen realistisch planen lassen. Das gilt in besonderem Maße für die Beleuchtung, denn große Hallenflächen, hohe Deckenhöhen und ein in der Regel durchgehender Betrieb prägen die meisten industriellen Anwendungen. Sanierungen müssen daher effizient umgesetzt werden, ohne die laufenden Abläufe wesentlich zu beeinträchtigen. Robuste, langlebige Lösungen und eine schnelle Installation sind hierfür entscheidend.
Gleichzeitig rückt die Beleuchtung in vielen Betrieben stärker in den Fokus, weil sie längst nicht mehr nur als Energieposten betrachtet wird. Lichtqualität und Verfügbarkeit wirken sich unmittelbar auf die Arbeitssicherheit, die Orientierung in Verkehrswegen, die Fehlerquote in der Kommissionierung sowie auf Sicht- und Prüfprozesse aus. Wo die Sichtbedingungen nicht stabil sind, entstehen Reibungsverluste, die sich im Schichtbetrieb und bei eng getakteten Prozessen rasch zu spürbaren Kosten summieren.
Warum „jetzt" mehr ist als eine Effizienzdebatte
Der Modernisierungsdruck steigt nicht allein durch Energiekosten und knappe Budgets, sondern zunehmend auch durch die Frage der langfristigen Betreibbarkeit im Bestand. Durch das europaweite Lampenverbot wird die Verfügbarkeit konventioneller Leuchtmittel weiter eingeschränkt, wodurch Wartung und Ersatz aufwendiger und Ausfälle schwerer kalkulierbar werden. Eine rechtzeitige Sanierung schafft hier Planungssicherheit, sichert den laufenden Betrieb ab und reduziert das Risiko ungeplanter Stillstände.
Was in der Praxis funktioniert: Sanierung als Betriebsprojekt, nicht als Bauprojekt
Erfolgreiche Lichtsanierungen in Industrie und Logistik folgen häufig einem klaren, pragmatischen Muster: kurze Montagezeiten, minimale Unterbrechungen und Lösungen, die sich einfach in bestehende Strukturen integrieren lassen. Dabei geht es selten darum, eine gesamte Anlage auf einmal umzubauen. Gerade im Sommerfenster hat sich vielmehr eine etappenweise Vorgehensweise bewährt.
Priorisieren statt Quadratmeter zählen. Im ersten Schritt stehen jene Bereiche im Vordergrund, die den höchsten operativen Hebel bieten: Verkehrswege und Sicherheitszonen, Wareneingang und Warenausgang, Prüf- und Sichtarbeitsplätze sowie Kommissionier- und Packzonen.
Eingriffe minimieren, Umsetzung planbar halten. Im Bestand zählt vor allem, wie gut sich Maßnahmen takten lassen. Klar abgegrenzte Sperrflächen, wiederholbare Montageschritte und eine geringe Abhängigkeit von anderen Gewerken erleichtern die Umsetzung erheblich.
Zukunft vorbereiten, ohne Vernetzung zur Pflicht zu machen. Viele Betreiber möchten zunächst stabilisieren und modernisieren, bevor sie weitere Schritte gehen. Sinnvoll ist es dennoch, die Sanierung von Anfang an so zu denken, dass sie sich bei Bedarf später um ein Lichtmanagement erweitern lässt, etwa um zusätzliche Effizienzgewinne durch Sensorik und Steuerung zu erzielen.
„In Industrie und Logistik ist die Beleuchtung ein Betriebsmittel: Sie beeinflusst Sicherheit, Orientierung und die Qualität von Sicht- und Prüfprozessen", erklärt Daniel Ludwig, Head of Sales KAM EGH bei LEDVANCE. „Das Sommerfenster mit Werksferien oder Shutdowns ist häufig der praktikabelste Zeitpunkt, um im Bestand zu modernisieren, mit kurzen Montagezeiten und minimalen Unterbrechungen. Gleichzeitig wird es wichtiger, vorausschauend zu handeln, weil Wartung und Ersatz konventioneller Leuchtmittel zunehmend schwerer planbar sind.“
Mit Blick auf die anstehenden Projekte ergänzt Ludwig: „Entscheidend ist, die Sanierung nicht als reines Beschaffungsthema zu behandeln, sondern als betriebliches Projekt mit klaren Prioritäten. Wer zunächst die sicherheits- und qualitätskritischen Bereiche modernisiert und die Basis so plant, dass sie später erweiterbar bleibt, reduziert Risiken und schafft zugleich die Grundlage für weitere Effizienzschritte.“
Drei typische Fehler und wie man sie vermeidet
Ein verbreiteter Fehler besteht darin, ausschließlich auf den Energieverbrauch zu schauen und den Betrieb aus dem Blick zu verlieren. Gute Beleuchtung betrifft jedoch nicht nur den Stromverbrauch, sondern ebenso die Sicherheit und die Qualität der Arbeitsprozesse. Ein zweiter Fehler liegt in einem pauschalen „Eine Lösung für alle Bereiche"-Ansatz, obwohl Industrie- und Logistikflächen typischerweise zoniert sind und die Beleuchtung diese Zonierung widerspiegeln sollte. Der dritte Fehler besteht darin, von Beginn an zu komplex zu starten: Dominiert die Vernetzung und Steuerung das Projekt von Anfang an, wird aus einer Lichtsanierung schnell ein eigenständiges IT-Projekt. Bewährt hat sich stattdessen, zunächst eine robuste Basis zu schaffen und diese anschließend gezielt zu erweitern.
Checkliste für Betreiber: Sechs Fragen vor der Lichtsanierung im Wartungsfenster
Wer das Sommerfenster für eine Lichtsanierung nutzen möchte, sollte die Planung frühzeitig beginnen und die folgenden sechs Fragen als Ausgangspunkt für die Priorisierung heranziehen:
Welche Zonen sind sicherheits- oder qualitätskritisch und sollten daher vorrangig saniert werden?
Wo sind Unterbrechungen im Betrieb tolerierbar, und wie lässt sich die Sanierung entsprechend etappieren?
Welche Anforderungen ergeben sich aus Arbeitsschutzvorgaben, Normen oder anstehenden Audits?
Welche Umgebungsbedingungen liegen vor, etwa Staubbelastung, Feuchtigkeit oder Dauerbetrieb?
Wie lassen sich die Eingriffe in die bestehenden Strukturen so gering wie möglich halten?
Soll die Sanierung so geplant werden, dass sie sich später um ein Lichtmanagement erweitern lässt?
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Quellen
Global Growth Insights: Lighting Market – Größe und Nachfrage des Beleuchtungsmarktes bis 2035, Stand Dezember 2025. https://www.globalgrowthinsights.com/de/market-reports/lighting-market-122112.
EUR-Lex: Konsolidierte Fassung der Richtlinie 2011/65/EU zur Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten (RoHS), Stand mit Änderung vom 20. April 2022. https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:02011L0065-20220420.
EUR-Lex: Verordnung (EU) 2024/1849 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juni 2024 zur Änderung der Verordnung (EU) 2017/852 über Quecksilber, veröffentlicht im Amtsblatt am 10. Juli 2024. https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32024R1849.
EUR-Lex: Delegierte Richtlinie (EU) 2022/284 der Kommission vom 18. November 2021 zur Änderung der RoHS-Richtlinie hinsichtlich einer Ausnahme für T5- und T8-Leuchtstofflampen (Stichtag 25. August 2023). https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32022L0284.
GTAI (Germany Trade & Invest): EU weitet Einfuhrverbot für Quecksilber aus, mit Fristen 31. Dezember 2025 und 31. Dezember 2026 für quecksilberhaltige Lampen nach Verordnung (EU) 2024/1849. https://www.gtai.de/de/trade/eu/zoll/eu-weitet-einfuhrverbot-fuer-quecksilber-aus-1780262.
ZVEI (Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie): Ausphasen von Leuchtstofflampen 2023 – Was ist zu tun? https://www.zvei.org/themen/ausphasen-von-leuchtstofflampen-2023-was-ist-zu-tun.