Nur einer von fünf Rechenzentrum-Fachleuten vertraut der Genauigkeit von Lastdaten vollständig, während sich der Sektor auf einen Anstieg der KI-Nachfrage vorbereitet
„Was hier auffällt, ist, dass die Unternehmen bereits wissen, was getan werden muss. Es besteht ein breites Bewusstsein dafür, dass regelmäßige Wartung und besseres Monitoring entscheidend sind, um Ausfallzeiten zu reduzieren – doch in der Praxis hinkt die Umsetzung hinterher."
– Senior Field Director EMEA bei der Fluke Corporation
Da die Nachfrage nach künstlicher Intelligenz (KI) rasant zunimmt, deckt neue Forschung der Fluke Corporation eine wachsende Vertrauenskrise unter Rechenzentrum-Fachleuten auf und wirft Bedenken hinsichtlich der Fähigkeit des Sektors auf, zuverlässig zu skalieren.
Eine Umfrage unter mehr als 150 Rechenzentrum-Fachleuten, die auf der Data Centre World London 2026 durchgeführt wurde, ergab, dass nur 22 % vollständig darauf vertrauen, dass ihre Test- und Messdaten die realen Betriebsbedingungen widerspiegeln. Das Vertrauen sinkt unter Druck noch weiter: Lediglich 19 % vertrauen der Datengenauigkeit bei Spitzenlast oder im Fehlerfall vollständig.
Mehrere Faktoren treiben diesen Mangel an Vertrauen in Infrastrukturdaten voran. Qualifikations- und Schulungslücken wurden als größtes Hindernis genannt (43 %), gefolgt von Zeitdruck bei der Inbetriebnahme (16 %), inkonsistenten Testprozessen (11 %) und Budgetbeschränkungen (10 %).
Die operativen Auswirkungen sind bereits spürbar. Die Hälfte der Befragten berichtete, mindestens einmal jährlich ungeplante Ausfälle oder größere Leistungsunterbrechungen erlebt zu haben, wobei fast jeder Fünfte Störungen so häufig wie monatlich (10 %) oder sogar wöchentlich (8 %) erlebt.
Veraltete Testausrüstung verschärft das Problem: Fast zwei Drittel (65 %) gaben an, dass ältere Geräte das Risiko von Ausfallzeiten und Compliance-Verstößen in ihrem Unternehmen erhöhen.
Zielkonflikt zwischen Geschwindigkeit und Compliance
Die Studie zeigt eine wachsende Lücke zwischen Absicht und Umsetzung. Obwohl fast alle Befragten zustimmen, dass regelmäßige Wartung entscheidend zur Reduzierung von Ausfallzeiten ist, haben nur 28 % Echtzeit- oder prädiktives Monitoring für kritische Infrastrukturen wie Strom, Kühlung und Netzwerke im Einsatz. Ein Fünftel gibt zu, dass Wartungsmaßnahmen höchstens quartalsweise durchgeführt werden.
Auch die Einführung fortschrittlicher Technologien bleibt begrenzt. Lediglich 10 % haben Automatisierung, KI-Diagnose oder prädiktives Monitoring vollständig implementiert, während viele sich noch in der Pilot- (22 %) oder Frühphase (19 %) befinden.
Der Druck, Rechenzentrumskapazitäten schneller bereitzustellen, schafft ebenfalls neue Risiken. 42 Prozent der Befragten gaben an, dass Zeitdruck gelegentlich Compliance-Risiken erzeugt, während 17 % sagten, er erschwere die Einhaltung sich wandelnder Verbindungs- und Zertifizierungsanforderungen erheblich.
„Was hier auffällt, ist, dass die Unternehmen bereits wissen, was getan werden muss. Es besteht ein breites Bewusstsein dafür, dass regelmäßige Wartung und besseres Monitoring entscheidend sind, um Ausfallzeiten zu reduzieren – doch in der Praxis hinkt die Umsetzung hinterher", sagte Mike Slevin, Senior Field Director EMEA bei der Fluke Corporation. „Diese Lücke zwischen Bewusstsein und Handeln ist der Nährboden für Risiken. Wenn Tests nicht konsistent und das Monitoring nicht in Echtzeit erfolgt, können kleine Probleme schnell zu Ausfällen eskalieren."
Großbritanniens Bereitschaft steht infrage, während KI-Ambitionen wachsen
Die Ergebnisse werfen auch Zweifel daran auf, ob das Vereinigte Königreich seine Ambitionen, ein globaler KI-Führer zu werden, unterstützen kann. Nur die Hälfte der Befragten glaubt, dass der britische Rechenzentrumssektor operativ bereit ist, in den nächsten fünf Jahren für KI-, Cloud- und Hyperscale-Nachfrage zu skalieren.
Darüber hinaus glauben lediglich 7 %, dass das Vereinigte Königreich derzeit über die erforderliche Infrastrukturresilienz und die notwendigen Betriebsstandards verfügt, um seine Ambitionen als „KI-Supermacht" zu verwirklichen, während 28 % auf erhebliche Infrastrukturlücken hinweisen.
„KI definiert die Anforderungen an die Rechenzentrumsinfrastruktur neu. Mit Architekturen höherer Dichte und zunehmend komplexen Glasfaserumgebungen ist das Testen von Mehrfaserleitungen von zentraler Bedeutung geworden, da die Fehlertoleranz immer geringer wird", fügte Mike Slevin hinzu. „Wenn Unternehmen die Leistung unter realen Bedingungen nicht zuverlässig validieren können, riskieren sie, KI auf instabilem Fundament aufzubauen. Die Herausforderung besteht nun darin, sicherzustellen, dass die Kapazitäten widerstandsfähig und für eine nachhaltige Nachfrage gerüstet sind."
Methodik
Die Umfrage unter mehr als 150 globalen Rechenzentrum-Fachleuten wurde auf der Data Centre World London 2026 durchgeführt. Jeder Befragte wurde zu denselben elf Fragen rund um Infrastrukturvertrauen, Datengenauigkeit unter realen Bedingungen, operationelle Risiken sowie die in ihren Unternehmen eingesetzten Test-, Monitoring- und Wartungspraktiken befragt.